Im Zuge der „Kirchenentwicklung 2030“ ist zu Beginn des Jahres die neue römisch-katholische Kirchengemeinde Murgtal geschaffen worden. Dabei werden die bisherigen katholischen Seelsorgeeinheiten Forbach-Weisenbach, Gernsbach, Gaggenau-Ottenau und Gaggenau zur Pfarrei Murgtal zusammengeführt.
Damit beginnt die Umsetzung dessen, was im Rahmen des Projekts „Kirchenentwicklung 2030“ der Erzdiözese Freiburg für die katholischen Gemeinden seit 2021 von zahlreichen Haupt- und Ehrenamtlichen vorbereitet und geplant wurde. Sie reagiert damit auf sinkende Priesterzahlen, weniger Mitglieder und neue pastorale Anforderungen – und damit auf gesellschaftliche und kirchliche Veränderungen.
Die Pfarrei Murgtal ist eine der 36 neu geschaffenen Einheiten, die die bisherigen 1048 Seelsorgeeinheiten im Raum Freiburg ablöst. Sitz der neuen Pfarrei ist St. Josef in Gaggenau, zur Patronatskirche wurde St. Marien Gernsbach ernannt und bestimmt somit den Namen und den Ort der Pfarrei. Erhalten bleiben die dezentrale Pfarrbüros in Forbach, Gernsbach, Ottenau, Gaggenau und Moosbronn. Zu der Pfarrei gehören neun Kindergärten mit 140 Beschäftigten. Zum Leiter der Pfarrei wurde Priester Markus Moser bestellt. Zukünftig wird er durch ein Kernteam unterstützt, zu dem auch Pfarreiökonom Michael Roth und seine Stellvertreterin Gabriele Wurster sowie der Leitende Referent Fabian Groß gehören.
Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Pfarrer Markus Moser in sein Amt eingeführt. Die Investitur wurde geleitet von Generalvikar Christoph Neubrand in der Herz-Jesu-Kirche in Obertsrot. In seiner Predigt ging er auf den langjährigen Prozess ein, bis diese Strukturreform umgesetzt war. Er wünscht sich, dass die Pfarrer durch die Einsetzung eines Kernteams und der Pfarreiökonomen und Referenten wieder mehr Zeit für die Seelsorge in ihren Kalendern haben.
Zu Beginn des Gottesdienstes schütteten Vertreter aus den bisherigen Seelsorgeeinheiten von Bad Rotenfels, Gaggenau, Ottenau über Gernsbach bis hin nach Weisenbach-Forbach Wasser aus ihrem Murgabschnitt in eine Schale. Damit führten sie symbolisch das Wasser aus den einzelnen Gemeinden in die gemeinsame Schale Pfarrei Murgtal zusammen. Mit dieser Geste schaffte es Pfarrer Markus Moser, die Gemeinsamkeit der neu geschaffenen Struktur sichtbar zu machen.
Bereits in der Begrüßung ging Tanja Knigge, Vertreterin des Pfarreirats, auf den langen Prozess ein, der bis zur Schaffung der der neuen Pfarrei zu bewältigen war. Wenn auch die Pfarrei Murgtal mit ihren rund 22.000 Katholiken zu den kleineren Pfarreien der Erzdiözese gehört, so ist es doch eine Herausforderung, die neue Kirchengemeinde zu einer Einheit zusammenzufügen.
Eine beeindruckende Zahl von über 60 Ministranten aus allen Murgtalgemeinden von Rotenfels bis Forbach waren mit den Zelebranten auf dem Altar versammelt. Viel Symbolkraft hatten die 19 entzündeten Kerzen, die zum Schluss des Gottesdienstes an Vertreterinnen und Vertreter aus den einzelnen Kirchen der Pfarrei überreicht wurden.
Der lange Weg, bei denen Projektkoordinatoren, regionale Projektleitungen sowie Voll- und Teilversammlungen der bisherigen Pfarrgemeinderäte der einzelnen Gemeinden sowie Kreativgruppen eingebunden waren, ist damit zu einem Abschluss gekommen. Mit dem offiziellen Start der Kirchengemeinde Murgtal ist der Reformprozess in der Erzdiözese Freiburg allerdings noch nicht abgeschlossen. Wie Georg Bierbaums, Vorsitzender des Pfarreirats, am Ende des Gottesdienstes bekräftigte, gelte es nun, die positive Energie der Veränderung für das weitere Zusammenwachsen der Gemeinden zu nutzen. Er drückte seinen Dank für das gute Miteinander bei der Schaffung der neuen Gremien und Strukturen aus. Die aktive Unterstützung der einzelnen Säulen der Gemeinde, zu denen auch die Ehrenamtlichen gehören, sei unverzichtbar. Dazu gehören die ehrenamtlichen Gemeindeteams, die das Gemeindeleben vor Ort tragen.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes lag in Händen von Claudia Mnich, die mit dem eigens für diesen Anlass geschaffenen Chor „Missa Festiva“ eine Messe des zeitgenössischen Komponisten Christopher Tambling einstudiert hatte. Der kräftige Applaus der Gemeinde für die Chorleistung zeigte, dass sich die langmonatige Vorbereitung gelohnt hatte. An der Orgel begleitete Pirmin Sieb die Feier, unterstützt von Wolfgang Störzer an der Trompete und Elisabeth Gliosca-Benz mit Gesang.
Die positive Aufbruchstimmung, die im Gottesdienst zu spüren war, setzte sich in dem geselligen Teil in der Ebersteinhalle fort. Die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes trafen sich in der stimmungsvoll geschmückten Halle zum gemeinsamen Feiern. Regierungspräsidentin Sylvia Felder überreichte ein Geschenk an Pfarrer Markus Moser in Form eines Puzzles aus den einzelnen Gemeinden, die zu einem großen Ganzen zusammenfinden soll. Annette Klumpp schloss sich als Vertreterin des Pfarreirats mit einem besonderen Präsent an: einer Foto-Collage, die sämtliche Kirchengebäude des Murgtals abbildet. Oberbürgermeister Michael Pfeifer, Gaggenau, sprach stellvertretend für alle politischen Gemeinden des Murgtals ein Grußwort. Er freut sich über diesen Meilenstein in der Entwicklung in der Kirche, die sich damit den Herausforderungen der Zukunft stellt. „Wir brauchen weiterhin eine starke Kirche in unserer Gesellschaft“, betonte er.
Die Gemeindemitglieder aus dem ganzen Murgtal nutzten das zwanglose Zusammensein in der Ebersteinhalle für Begegnungen und Gespräche – und unterstrichen damit den gelungenen Start der Pfarrei Murgtal.
Regina Meier
Der Artikel erscheint im Gernsbacher Boten 1/2026.

