„Kein Beschuss, kein Alarm mehr“

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Gernsbach – Teil 2

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bahnte sich in Gernsbach in den ersten April-Tagen an. Bereits im vergangenen Gernsbacher Boten 1/2020 vom 31. März 2020 wurden die Monate vor dem Einmarsch der Franzosen 1945 beschrieben. Aufbauend auf den Veröffentlichungen von 1995 anlässlich der 50. Wiederkehr des Kriegsende wurde dieser Rückblick ergänzt durch weitere Zeitzeugenberichte. Diese finden sich in Tagebüchern, die von Gernsbachern in jenen Tagen geschrieben wurden und an die Nachfahren weitergegeben wurden. Auszüge daraus werden hiermit erstmals für eine Veröffentlichung freigegeben. Auch der „Kriegsbericht“, den der katholische Pfarrer Ernst Bernauer zur Berichterstattung an die Erzdiözese in Freiburg verfasste, gibt Aufschluss über die Situation vor Ort im April 1945.

Die Front rückte immer näher, die Fliegerangriffe verbreiteten Angst und Schrecken. Ständig fanden Luftangriffe statt, die Bevölkerung musste immer häufiger die Keller und Luftschutz-Einrichtungen aufsuchen. Als die Nachricht von der Einnahme Karlsruhes bekannt wurde, war klar, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis die Franzosen auch in Gernsbach ankamen.

„Die Besetzung war noch in der Nacht vom 11./12. April 1945 zu erwarten, da die französischen Truppen bereits in Loffenau waren, wo selbst einige Häuser brannten. Auch aus Michelbach war ihr Anrücken gemeldet“, veröffentlicht Wilhelm von Müller im „Murgtäler Boten“.

Detaillierte Kriegstagebücher

In der Darstellung des französischen Militärs nimmt Gernsbach eine untergeordnete Rolle ein. Nach den vielen Orten, die sie nach der Rheinüberquerung und der Einnahme Karlsruhes auf ihrem Marsch nach Freudenstadt einnehmen mussten, spielte Gernsbach keine zentrale Rolle.

Auf dem Kaltenbronn hatten sich deutsche Soldaten bei der Kreuzlehütte postiert und leisteten den anrückenden französischen Truppen Widerstand. Dabei kamen zwölf deutsche Soldaten ums Leben. Der Zug der französischen Armee konnte nicht aufgehalten werden, wie Hubert Intlekofer in seinem Buch „Geschichte des Kaltenbronn“ festhält. „Gegen Euyachmühle und Dürreychof wird die Front von den Einheiten der 257. VGD (Volksgrenadier-Division – Anm.) gehalten“, findet sich im Kriegstagebuch der 19. deutschen Armee, März-April 1945, das den Kriegsverlauf im Oberrheingebiet detailliert beschreibt.

Vier Jahre später veröffentlichte der General Jean de Lattre de Tassigny, der als Oberkommandierender der 1. französischen Armee den Angriff in Südwestdeutschland befehligte, eine ausführliche Darstellung der Angriffe aus französischer Sicht. Darin werden auch die Bewegungen im Murgtal festgehalten. Darin beschreibt er auch, wie marokkanischen Einheiten über den Kaltenbronn nach Loffenau marschieren. „Die gegnerischen Truppen kämpfen weiter… Doch ihr Mut kann nichts mehr ausrichten“, hält er fest.

Beim Kampf um Rastatt führt er aus: „Dem Befehl des Führers wird gehorcht und jede Häuserzeile erfordert von uns eine Belagerung“. Die Kämpfe müssen sehr erbittert gewesen sein, denn der General fügt in seinen Bericht die Formulierung in deutscher Sprache ein, dass die Kämpfe „bis zum letzten Mann“ stattfanden. Ähnlich lauten die Eintragungen im deutschen Kriegstagebuch: „Die Besatzung von Rastatt leistet den konzentrischen Feindangriffen in erbitterten Häuserkämpfen hartnäckigen Widerstand.“

Im Kriegstagebuch der 19. deutschen Armee finden sich zu diesen Tagen aufschlussreiche Eintragungen für unsere Region. So ist für den 11. April 1945 vermerkt: „Die 106. J.D. (Jägerdivision Anmerkung), die in der Masse aus Luftwaffen-, Zoll und Volkssturmeinheiten besteht, hat in den letzten Tagen in harten Abwehrkämpfen alle feindlichen Durchbruchsversuche verhindert und dem Feind nur schrittweise Boden überlassen.“ An anderer Stelle ist allerdings auch von den hohen eigenen Ausfällen die Rede und die nüchterne Beurteilung des Ausbildungsstandes der Volkssturmabteilungen, der mit „völlig unzureichend“ beschrieben werden. Die Eintragungen belegen weiter: „Im Laufe der Nacht vom 11./12.4.1945 dringt der Gegner in Btl.stärke mit mindestens 10 Panzern von Osten und Norden in Gernsbach und Scheuern ein und hat damit in diesem Abschnitt das Murgtal erreicht.“

Letzte Zuflucht in den Kellern

In Gernsbach rückten die Franzosen fast ohne Gegenwehr ein. „Am Abend des 11. April begannen drei Batterien kleineren Kalibers, die im Westen des Städtchens aufgestellt waren, in Richtung Loffenau zu schießen. Der Franzose reagierte nicht darauf. Seine Panzer standen schon seit Beginn der Nacht, wie es sich nachher herausstellte, im Osten unmittelbar vor dem Städtchen, aus der Richtung Loffenau kommend“, schreibt Pfarrer Ernst Bernauer in seinem „Kriegsbericht“. „Abends 9.30 Uhr wurden die beiden Brücken über die Murg gesprengt, nachdem der erste französische Panzer schon in Ottenau über die Murg gegangen und bis an das Haus Betesda vorgedrungen war“, schildert Pfarrer Bernauer weiter.

Nach Mitternacht durchkämmten die französischen Einheiten jedes Haus in Gernsbach und öffneten die Keller, in denen die Menschen angsterfüllt saßen.
In dem großen Keller in der Bleichstraße 22, in dem sich nicht nur die Hausbewohner, sondern auch zahlreiche Nachbarn geflüchtet hatten, hielten die Nachtstunden des 11. April 1945 noch eine besondere Dramatik bereit: Dort kam in jener Nacht ein Baby zur Welt.
„Wir waren vor Angst ganz starr, doch als die Soldaten an uns Schokolade verteilten, waren wir wie erlöst, dass diese Angst jetzt ein Ende haben sollte“, erinnern sich Hildegard und Ortrud Walter vom Gasthaus Kreuz in der Bleichstraße.
Leonore Mayer-Katz berichtet: „Auch wir warteten im Keller, bis sich ein französischer Soldat zeigte. Der Krieg hatte uns verschont. Ein gewisses Aufatmen ging durch unsere Reihen, trotz aller Ungewissheit vor der Zukunft. Für mich persönlich bedeutete dieser Augenblick die Hoffnung auf Freiheit und auf ein Wiedersehen mit meinen verschleppten Angehörigen.“ Noch im Mai wird Leonore Mayer-Katz selbst in das Konzentrationslager Theresienstadt fahren und ihre dort inhaftierte Mutter und weitere Baden-Badener heimholen.
Frida Bohnert in der Weinbergstraße hält diese Nacht in einem Tagebuch stichwortartig fest: „Habe Proviant für den Bunker gerichtet, man konnte ja doch nicht schlafen.“

Als die Franzosen von Loffenau her nach Gernsbach einmarschierten, öffneten sie auch den Luftschutzbunker an der Loffenauer Straße. Dort hatten bei dem Alarm vor allem die holländischen Fremdarbeiter Zuflucht gesucht. Die Franzosen schossen mit Maschinenpistolen in den Luftschutzstollen und trafen dabei einen Holländer tödlich, ein anderer wurde verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Noch zwei weitere Todesopfer forderte der Einmarsch der Franzosen: Als längere Zeit kein Schusswechsel mehr zu hören war, machte sich der Gernsbacher Friedrich Lemmermeier auf den Weg vom Badhaus zur Murginsel. Er wollte sehen, was sich beim Murgübergang abspielte. Ganz nahe bei der dortigen Brücke wurde er von den Franzosen erschossen, die in der Dunkelheit der Nacht nicht ausmachen konnten, wer sich ihren Stellungen nähert. Aus den Protokollen jener Tage geht ebenso hervor, dass Margarete Töllich, die aus Köln nach Gernsbach evakuiert worden war, erschossen wurde.

Alle drei Opfer wurden auf dem Katholischen Friedhof beigesetzt, ihre Gräber liegen nebeneinander. Noch heute kann man ihre letzte Ruhestätten besuchen, die regelmäßig gepflegt werden. Auch weitere Gernsbacher Todesopfer des Weltkriegs wurden hier beigesetzt. Gleich daneben findet man auch das Grab des Fremdarbeiters, der beim Forstamt Gernsbach eingesetzt war und im Mai 1944 gestorben war. Der Holzhauer Anastasius Jaskzkowski gehörte zu den insgesamt zehn Waldarbeitern, die im November 1943 für den Winterholzeinschlag dem Forstamt Gernsbach zugewiesen waren. Sie verrichteten Holzfällerarbeiten im Wald von Sulzbach. Zu der Beerdigung ihres Kollegen nahmen die anderen ausländischen Arbeitskräfte teil, wobei es sich zum größten Teil um russische Kriegsgefangene handelte.

Zerstörte Häuser in Gernsbach

Die Situation in Gernsbach am Morgen des 12. April war ernüchternd. Die Häuser in dem Dreieck der oberen Igelbachstraße, der Loffenauer Straße und der Zunftgasse waren weitgehend durch den Artilleriebeschuss und den folgenden Bränden zerstört. Die Einwohner hatten ihr Hab und Gut und ihr Zuhause verloren. Als die Häuser wieder errichtet wurden, wurden sie etwas zurückgesetzt, aufgebaut. Diese versetzte Häuserfront ist heute noch gut zu erkennen.

Auch in der Schlossstraße waren zwei Häuser den Flammen zum Opfer gefallen: die Gebäude der Kupferschmiede Rothengatter waren zerstört. Hubert Schleicher, der 1945 in der Schlossstraße wohnte, musste in den folgenden Tagen helfen, die Schäden zu beseitigen. Er hielt am 2. Mai in seinem Tagebuch fest: „1 Wagen Schutt von Rothengatter abgeführt.“ Auch am 5. und 7. Mai musste er nochmals Trümmer von dem zerstörten Haus Rothengatter entsorgen.
Der Dachstuhl des Restaurants „Laub“ an der Hofstätte war ebenfalls in Brand geraten. Dieses Feuer durfte jedoch durch die Bewohner gelöscht werden, die einmarschierten Franzosen erlaubten die Löscharbeiten.

Von verschiedener Seiten wird berichtet, dass die ersten Soldaten, die die Gemeinden besetzten, freundlich und zuvorkommend waren. Frida Bohnert, die in der Weinbergstraße wohnte, hält für Freitag, den 13. April, fest: „Heute früh 1/2 9 kamen 2 Franzosen mit vorgehalt. Revolver zur Hausdurchsuchung, waren sehr anständig.“ Pfarrer Bernauer schreibt: „Pfarrer und Pfarrhaus wurden in keiner Weise belästigt, am des 12. April kam ein französischer Leutnant ins Pfarrhaus, begrüßte den Pfarrer und alle Pfarrhausbewohner (damals 9 Personen) und fragte: ‚Na, wie geht’s, Herr Pfarrer?‘ Ebenso waren die Schwestern und das Schwesternhaus in keiner Weise Belästigungen ausgesetzt.“

Erst beim Durchmarsch der nachfolgenden Truppen begann eine harte Zeit für die Bevölkerung. Aus jenen Tagen sind auch Misshandlungen und Vergewaltigungen überliefert. Auch Plünderungen waren an der Tagesordnung. Im Archiv der Stadt Gernsbach ist eine lange Liste von Beschädigungen und Verwüstungen dokumentiert.
So gibt es u.a. eine Meldung von Schuh-Bleier in der Hauptstraße am Marktplatz, dass „ein Schaufenster und ein Ladentürfenster bei der Plünderung am 12. April 1945“ zerstört wurden. Dabei wurden „ 45 Paar braune und schwarze neue Herrenhalbschuhe geplündert à 18,50 Mark 25 Paar, à 14,50 Mark 20 Paar“.

Doch in der Bevölkerung machte sich erst einmal ein Aufatmen durch das Ende der Kriegshandlungen breit. Eine Zeitzeugin erinnert sich noch sehr gut: „Die Erleichterung war unbeschreiblich, dass endlich die Fliegerangriffe aufhörten. Neben aller Not war endlich Ruhe zu haben vor den Jagdbombern wie eine Erlösung.“ Auch Frida Bohnert schreibt in ihr Notizbuch froh über das Ende der Fliegerangriffe, allerdings verschweigt sie auch nicht die Schattenseiten: „Das schlimmste waren die Plünderer. Sonst wieder ruhig, kein Beschuss, kein Alarm mehr.“

Die Franzosen verhängen Ausgangssperren und Versammlungsverbote. So vertraut Frida Bohnert ihrem Tagebuch an: „Gutleber gibt als Stadtbüttel die täglichen Maßnahmen bekannt. Ausgehverbot, abends von 8 Uhr ab darf niemand mehr die Straße betreten.“ Doch bald, ab Ende Mai wurde mit Rücksicht auf die Feldarbeit, die Sperrzeit von 21 Uhr bis 6.30 Uhr verkürzt. Weitere Lockerungen wurden eingeführt, bis ab Sommer 1946 die Sperrzeit ganz aufgehoben war.

„Durch die Verwüstung bei der Sprengung der Stadtbrücke war das gesamte oberste Stockwerk unseres Hauses nicht mehr benutzbar. Die Franzosen ließen uns zwei Räume, in denen wir mit unseren Eltern wohnten. Das ganze Zimmer war mit Zubern und Eimern vollgestellt, um bei Regen das Wasser bei den undichten Stellen aufzufangen. Und doch waren wir froh, dass wir in unserem Haus bleiben durften. Anderen erging es noch viel schlimmer“, erinnert sich Ortrud Walter, die mit ihren Eltern und ihrer Schwester das Gasthaus Kreuz in der Bleichstraße bewirtschaftete. Von ihr wurden bereits im ersten Teil dieses Beitrags im „Gernsbacher Boten“ 1/2020 einige Erinnerungen aufgeführt.

Zweisprachig Bekanntmachungen

Die Franzosen beschlagnahmten für ihre Soldaten und Verwaltung mehrere Gebäude. Der General wohnte in der Villa Felix Hoesch. Vom 1. August 1945 residierte dort General Bouquae. Die Gendamerie Française war im „Wilden Mann“ in der Bleichstraße. „Der Platzkommandant bezog das Kornhaus als Kommandantur. Im Alten Rathaus lagen französische Mannschaften, das Bankhaus beim Scheuerner Übergang war für zwölf französische Stabhelferinnen beschlagnahmt. Ebenso wurden das obere Forstamtsgebäude … und das gegenüberliegende Amtsgerichts- und Notariatsgebäude für die französischen Besatzungstruppen beschlagnahmt“, berichtet ein Chronist später in der Tageszeitung.

Unter Androhung von Militärtribunal und Todesstrafe wurden Ausgehverbote verhängt,
und jede Reise musste genehmigt werden. Die ersten Bekanntmachungen der französischen Besatzung betrafen nicht nur Beschlagnahmungen von Fahrrädern, Radiogeräten und anderen Gegenständen, sondern betrafen auch die Ausgabe von Lebensmittelmarken und das Anstehen vor den Geschäften, bis hin zum Benutzen des Freibads. Ende April wurde per Rundschreiben an alle Bürgermeister und Verwaltungen die Anordnung erteilt, eine Liste von allen Mitarbeitern der Verwaltungen sowie allen Beamten bis hin zu Revierförstern zu erstellen. Dabei mussten nicht nur die persönlichen Daten erfasst werden, sondern auch die Mitgliedschaft in der NSDAP, die Dauer
und der Rang in der Partei.

Einsetzen der kommissarischen Bürgermeister

Gleich nach dem Einmarsch der Franzosen in Gernsbach wurde der bisherige Ratsschreiber Karl Bibbes zum kommissarischen Bürgermeister bestimmt, als Stellvertreter wurde Dr. Klaus Hoesch ernannt. Dies wurde bereits am 13. April 1945 vom französischen Kommandanten vollzogen. Als Stadtrat wurde Karl (Charly) Kappler aus Scheuern bestimmt. Dem Rücktrittsersuchen von Karl Bippes im August 1945 aus gesundheitlichen Gründen folgte Rudolf Schira, der am 13. August 1945 in das Amt des kommissarischen Bürgermeister berufen wurde.
Die französische Besatzung wollte in den verantwortungsvolle Positionen keinesfalls Vertreter der NSDAP. Daher hatten sie Rudolf Schira ausgesucht, da er nicht nur gute französische Sprachkenntnisse hatte, sondern vor 1933 der Sozialdemokratischen Partei angehört hatte und von den Nazis verfolgt worden war. „Als politisch Unbelasteten und in den letzten 12 Jahren schwerstens Verfolgter“ hatte der 41-Jährige ehemaliger Bauingenieur der Firma Laule die Voraussetzungen, die damals an eine Verwaltungsspitze gestellt waren.

Zu seinen Aufgaben gehörte die Schäden an Mensch und Gebäuden festzustellen, sowie die Anordnungen der französischen Besatzung an die Bevölkerung weiterzugeben. So musste er eine Aufstellung machen, wieviel Menschen zu Schaden gekommen sind: „insgesamt sind 13 Personen durch Kriegsereignisse in Gernsbach ums Leben gekommen“, hält er am 18. September 1945 fest. Doch der Druck der Besatzungskräfte auf die Verwaltung verstärkte sich, die Requisitionen nahmen immer mehr zu. Letztlich legte Rudolf Schira sein Amt nieder. Die Franzosen entschieden sich danach für August Müller, der das Amt des Bürgermeisters am 7. Januar 1946 antrat. Auch er war zuvor weder politisch aktiv, noch hatte er der NSDAP angehört.

Wohnungsnot und Zukunftsangst

Nach Kriegsende beherrschte Hunger und Wohnungsnot den Alltag der Menschen. Vertriebene aus den Ostgebieten wurden den Gemeinden zugewiesen und suchten ein neues Zuhause. In der Bevölkerung gab es viel Hilfsbereitschaft, man rückte zusammen, stellte Wohnraum zur Verfügung, aber es gab auch Unverständnis gegenüber den Flüchtlingen. Nicht immer verliefen die Einquartierungen reibungslos. Die einheimische Bevölkerung war selbst in Bedrängnis. Dazu kam die Trauer um verlorene oder vermisste Angehörige, die die Menschen bewegte.
„Die Verpflegung während des Krieges war mäßig, ging aber immer noch im Vergleich zu dem, was uns von 1945 bis 1948 in der französischen Zone erwartete“, erinnert sich die Gernsbacher Zeitzeugin Brigitte Rein im Rückblick auf die Nachkriegszeit.

Doch im April herrschte erstmal Ungewissheit, wie es weitergehen würde. Der Eintrag im Tagebuch von Frida Bohnert vom 14. April 1945 drückt die Angst vor der Zukunft ganz klar aus: „Heute Lebensmittelausgabe mit Marken… Aber was steht uns noch bevor?“
Das war selbst Ende 1945 noch nicht sicher. In den Wünschen des Bürgermeisters Rudolf Schira an die Bevölkerung zum Jahreswechsel 1945 wird aber auch die Hoffnung auf eine sichere Zukunft deutlich: „Schicksalshaft ist, was draußen geschieht. Hoffnungsvoll und zuversichtlich erwarten wir trotz allem das kommende Jahr und wünschen uns gegenseitig Erfolg im tätigen Leben und eine glücklichere Zukunft.“

Regina Meier

Dieser Beitrag erschien im “Gernsbacher Boten” 2/2020 im Casimir Katz Verlag am 30. Juni 2020