Die gute Stube Gernsbachs

Rund um die Hofstätte

Die Nachricht über den Umbau der Brückenmühle zu Wohn- und Geschäftszwecken in absehbarer Zeit war eine Sommer-Überraschung. Die Brückenmühle ist nicht nur ein stadtbildprägendes Gebäude, vielmehr bestimmt sie auch den Zugang zu der historischen Hofstätte. Mit den baulichen Veränderungen an der Brückenmühle wird auch die Hofstätte ein neues Entree erhalten. Ein neuer Blick auf die gute Stube Gernsbachs wird freigeben.

Bis in die 1960 Jahre war die Mühle aktiv, rund 50 Mitarbeiter zählte damals der Betrieb. Doch dann wurde der Betrieb eingestellt und der Lebensmittelhändler Pfannkuch zog ein.

Bei der Brückenmühle gab es einst ein „Fluss- und Schwimmbad unter der Murg“. Für 10 Pfennig konnte man eine Abendkarte zum Schwimmen erwerben. Damals gb es noch getrennte Badezeiten für Männer und Frauen: Die „Damenzeiten“ waren „von 8 bis 10 ½ Uhr morgens“ und von „1 bis 3 ½ Uhr nachmittags“ – wie man heute noch auf einem Plakat in der Restauration Brüderlin nachlesen kann.

Die Sanierung des Brückenmühle war einst Anlass für das erste Altstadtfest im September 1975.

1997 schloss die Filiale der Fima Pfannkuch, seither steht das Erdgeschoss leer. Lediglich anlässlich des Jubiläums 150-Jahre-badische Revolution wurde der Raum für eine Ausstellung zur Revolutionsgeschichte in Gernsbach genutzt. Nach langen Jahren der Suche nach einer Nutzung der Brückenmühle ist nun der Durchbruch gelungen und eine zukunftsversprechende Lösung gefunden. Für die Hofstätte steht damit ein attraktiver Zugang in Aussicht.

Auch wenn drei Fußwege (August-Müller-Steg, Kirchenstaffeln und der Fußweg entlang des Gebäudes von Hofstätte 1) sowie vier Straßen zur Hofstätte führen (Mühlgraben, Hauptstraße, Waldbachstraße und Schlossstraße), so geschlossen wirkt das Ensemble. Die Häuser entstammen unterschiedlichen Jahrhunderten und weisen ein vielfältiges Erscheinungsbild auf.

Direkt an den Mühlgraben schließt sich wohl das modernste Gebäude des Platzes an, das erst 1960 sein heutiges Aussehen erhalten hat. Heute beherbergt das Gebäude das „My Wok Bistro – Spezialitäten aus Asien, älteren Gernsbachern ist es noch als  Marienapotheke der Familie Riether bekannt. Zuvor hat die Metzgerei Anselm hier ihre Metzgerei betrieben. Ein paar Stufen führten damals noch hinunter zu dem Eingang, der früher unter dem heutigen Niveau der Hofstätte lag.

Das Asia-Restaurant bedient seine Gäste heute auch in einem Außenbereich, wie auch das danebenliegende Café Felix und das Gasthaus Hirsch von gegenüber. Seit der Umgestaltung der Hofstätte im Jahr 1992, bei der nicht nur der Pflasterbelag, sondern auch breiteren Raum für die Fußgänger geschaffen wurde, gibt es seither eine Möglichkeit für diese Bewirtung.

Dieser Raum wird heute für die Außengastronomie rege genutzt. Entfallen ist allerdings die einstige Bushaltestelle in diesem Bereich, an der über viele Jahre der Busverkehr Richtung Baden-Baden Station machte. Nicht zuletzt wegen der Fahrplananpassungen an die neue Stadtbahn durchs Murgtal wurde 2002 die Verbindung über das Müllenbild nach Baden-Baden ganz gestrichen. Da die großen Busse immer wieder Probleme hatten, ihren Weg auf der schmalen Straßenführung des Stadtbuckels zu finden, . Daher wurdel die Haltestelle „Hofstätte“ aufgehoben und wurde am  28. Mai 2006 letztmals angefahren.

Die Busverbindung nach Baden-Baden hatte lange Tradition: bereits 1905 hatte sich eine private „Automobilverkehr Gernsbach GmbH“ gebildet, mit dem Ziel, Kurgäste von Gernsbach nach Baden-Baden zu fahren – von der Haltestelle Hofstätte aus. Somit gehört die Verbindung von Gernsbach nach Baden-Baden zu einer der ältesten Buslinien Deutschlands.

Direkt daneben findet sich das traditionsreiche Gebäude, Hauptstraße 6. Heute  befinden sich im Erdgeschoss das beliebte Café Felix, im westlichen Schaufenster präsentiert der „Weinschmecker“ seine Produkte. Lange Jahre befand sich hier ein gut frequentierter Gemüseladen mit reichhaltiger Auswahl und daneben ein Orthopädie-Geschäft.

Schaut man weiter in die Vergangenheit, stößt man auf die reiche Geschichte der Gastronomie in diesem Haus. Bereits 1511 ist hier eine Schildgerechtigkeit überliefert, bis 1930 war das Gasthaus zur Krone auch noch aktiv. Um 1900 galt als eine der ersten Adressen in Gernsbach. Aus einer Rechnung aus dem Jahr 1894 zeigt sich die Attraktivität des einstigen Gastbetriebes: eine Gesellschaft die an diesem Juli-Abend 44 Flaschen „Affenthaler“ und 176 Flaschen Klingelberger mit immerhin 22 Sodawasser und 20 Cigarren genoss, hat hier wohl einen vergnüglichen Abend verbracht. Älteren Gernsbachern ist das Haus wohl noch als „Zigarren- Zigaretten- und Tabakspezialgeschäft“ bekannt, das auch „Schokoladen und Konfitüren“ feilbot. Untrennbar ist dieses mit dem Namen Walter Lutz verbunden, der das Geschäft in den mittleren Teil des Gebäudes, in den ehemaligen Gastraum der Krone, verlegte und dieses Spezialitätengeschäft mit seiner eigenen Ausstrahlung bis 1996 betrieb.   

Am Aufgang zur Altstadt findet sich ein attraktives Fachwerkhaus. Hier in der Hofstätte 8 waren im Laufe der Jahrhunderte viele Handwerker beheimatet, wie es die eingeschnitzten Zeichen in dem nordwestlichen Eckbalken belegen. Der unterste Eintrag ist jüngeren Datums, nämlich nach 1951 ergänzt worden, nachdem der Verputz entfernt wurde. Die Familie, die mir viel Engagement und Tatkraft in das Gebäude investiert, führt nun in fünfter Generation das Friseurgeschäft. Im Laufe der Jahrzehnte haben sie sich immer wieder dem Wandel angepasst. Einst „Salon Herzog“ ist hier Anita Löwenthal mit ihrem Team aktiv. Schon im Einwohnermeldebuch von 1903 inseriert das Friseurgeschäft: “Lager in Parfümerie und Toilettenartikel, Haararbeiten, Massage, elektrische Hühneraugenoperation“. Für die damalige Zeit war gerade diese elektrische Behandlungsmethode ein Ausdruck des Fortschritts des 20. Jahrhunderts, gab es doch erst seit wenigen Jahren elektrische Stromversorgung in Gernsbach. 

Die wohl wechselvollste Geschichte hat das Haus Hofstätte 7 hinter sich. Der Gewölbekeller, das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss wurden vermutlich bereits 1432 errichtet und 1712 wahrscheinlich erneuert und aufgestockt. Im 19. Jahrhundert bestimmte die Familie Wallraff das Leben in dem Haus. Sie betrieb dort das „Gasthaus zum Laub“. Georg Friedrich Abel, Bürgermeister von Gernsbach von 1862-1900, hatte das Gastahaus nach seiner Rückehr aus Amerika, wohin er nach den Unruhen von 1848 ausgewandert war, mit seiner Frau übernommen. Nachfolgerin wurde Enkeltochter Erna Abel, die das Gasthaus bis zum Ende des Zweiten Weltkries führte. Nach Ende des Krieges eröffnete Hermann Walz an dieser Stelle seine Bäckerei, Restauration und Café und servierte im Sommer im Freien am Hofstätte-Brunnen Kaffee und Kuchen. Paul Böckeler betrieb auf diesem historischen Boden von 1962 bis 1981 eine Konditorei. In den achtziger Jahren war neben einem Immobilien-Geschäft hier die Filiale des Badischen Tagblatts untergebracht.

1993 wurde das Haus unter der Leitung von Familie Vierling mit einem reichhaltigen Angebot von Haushaltswaren, Porzellan und Geschenkartikeln zu neuem Leben erweckt. Eine grundlegende Renovierung ging dem voraus, bei dem auch der altstadtgerechte Vorbau dem Fachwerkhaus realisiert wurde. 2008 knüpfte “Hofstätte Interieur und Design“ mit neuer Leitung an die Traditionen an. Nach der Schließung  des Geschäfts 2019 ist es heute als Beauty Salon Gern Style  (siehe Artikel S. 5) wieder mit Leben gefüllt.

Die „Traube“ gehört postalisch zur Waldbachstraße, bildet aber zwischen Schlossstraße und Kirchenstaffel den südlichen Eckpfeiler der Hofstätte. Um das Jahr 1900 ebenfalls als „altrenommiertes Gasthaus“ und bot es „reingehaltene, sebstgezogene Weiß- und Rotweine und Bairisch Bier“ an, außerdem stellte es „Zimmer von Mk 3,50“ zur Verfügung.  Nach langen Jahren der Bewirtung durch Familie Seyfried und danach von Familie Weinhandl gilt es heute als Musiklokal und Bar. 

Ein Rundgang über die Hofstätte kann nicht ohne Begutachtung des Hofstätte-Brunnens erfolgen, dem Kondominatsbrunnen.  Bereits 1511 ist dieses steinerne Zeugnis nachweisbar und hält die Mittlerfunktion des Platzes zwischen den einzelnen Teilen der Stadt wider. Er setzt der gemeinsamen Verwaltung der Stadt von Badenern und Ebersteinern ein markantes Denkmal.

Eine reiche Vergangenheit spiegelt sich in dem Anwesen Hofstätte 3-5 wider. Lange Jahre befand sich hier das Modehaus Motex. Über Generationen war hier allerdings ein Hotelbetrieb angesiedelt, der das Gebäude geprägt hat. Das ehemaligen Hotel Sternen galt über Jahrzehnte als führendes Hotel in Gernsbach. In letzten Jahrhundert hat die Familie Brude die Geschicke „Zum Goldenen Stern“ geleitet.

Noch heute ist die Gaststätte zum Hirsch aktiv und wird heute von Familie Cannistraro bewirtschaftet. Mit der Schildgerechtigkeit von 1530 gehört es zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die historischen bleiverglasten Butzenscheiben zeigen einzelne Murgtalsagen.  

Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte nicht viel gefehlt, und die historische Gaststätte  wäre wegen des „Hirschecks“ verschwunden. Im Streit der Meinungen trug letztlich der damalige Inhaber, der „Hirsch“ blieb stehen und wurde von seinem abbröckelnden Verputz befreit. Man legte das Riegelwerk frei und fand dabei die Zeichen und Zahlen im Eckständer. Als Zunftherberge der Bäcker trat der Hirsch erstmals in Erscheinung, das war im 16. Jahrhundert. Anno 1689 brannte der Hirsch“ samt Umgebung nieder, doch schon 1694 war es in den heutigen Form wieder errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es wieder von Familie Brude zum Gasthaus betrieben. 1933 hob das Hotel und Pension zum „Goldenen  Stern und Hirsch“  in einer Anzeige hervor: „feinbürgerliches Haus an der Murgbrücke. Altdeutsches Restaurant mit den Murgtalsagen“.

Die Hofstätte 1 beherbergt heute das Tui-Reisebüro, zuvor war darin die Deutsche Bank ansässig und hatte die lange Tradition des Hauses als Bank fortgeführt. Bereits 1903 hatte hier Jakob Dreyfuß ein Bank- und Wechselgeschäft. 1925 wechselte das Geschäft zur Rheinischen Creditbank, Hauptsitz Mannheim, Niederlassung Gernsbach. 

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts wird die „Hoffstatt“ wie die Bleich, Igelbach, Gass, Hof und Walbach als „vorstette“ bezeichnet, wie Rainer Hennl in seiner Buch „Gernsbach“ seine Quellenarbeit herausgearbeitet hat, und umfasst bereits 14 Häuser. Aus seinen sozialtopographischen Untersuchungen geht hervor, dass die Hofstätte um 1630 als bestes Wohnquartier galt  – gemessen am Durchschnittswert der Häuser. Auch heute ist die Hofstätte ein attraktiver Platz. Er spiegelt auch die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung der Stadt wider. Es gibt keine Hutmacherin und kein Hotel mehr auf dem Platz, kein Lebensmittel- oder Gemüsegeschäft, keinen Metzger und keine Bank mehr. Doch haben sich Café, Friseur und Gaststätten gehalten oder wurden neu geschaffen und Geschenkartikel gibt’s in Sichtweite – und sorgen dafür, dass die Hostätte die gute Stube Gernsbachs bleibt.

Sicher wird sie sich weiterentwickeln und die Strömungen der Zeit aufnehmen: die Umgestaltung der Brückenmühle setzt sicherlich neue Akzente. 

Regina Meier

Ich möchte Dank sagen, all den Gernsbacherinnen und Gernsbachern, die mir in ihren Erzählungen und Fotos teil haben ließen an der Geschichte ihres Hauses und ihrer Familien auf der Hofstätte. Grundlage für diesen Beitrag bildet ein Artikel aus dem „Gernsbacher Boten“, den ich 1998 geschrieben habe. Seither ist viel passiert, Traditionshäuser sind verschwunden, neues Gewerbe hat sich angesiedelt. Ich konnte gar nicht alle Informationen aufnehmen. Sicher ist, die Geschichte des Platzes wird weitergeschrieben.

 

Dieser Beitrag erschien im “Gernsbacher Boten” 3/2021 im Casimir Katz Verlag am 16. September 2021

Auf dem Holzweg

Eine gemütliche Runde im Baiersbronner Wald – mit vielen Ein- und Aussichten.

Wohl wird der Holzweg als Kinder-Erlebnis-Pfad angepriesen, doch auch uns Erwachsenen hat er sehr viel Spaß gemacht – bis hin zur “Kugelbahn”.
Das besondere an dem Holzweg ist, dass entlang dieses Weges derzeit eine Open-Air-Ausstellung von großformatigen schwarz-weiß-Fotografien stattfindet.


Hier hat Thomas Faißt, der sich seit Jahren für die Historie der Köhlerei und die alten Waldgewerbe einsetzt, ein einzigartiges Projekt realisiert: In großformatigen, wetterfesten Foto-Drucken gibt er bekannten und unbekannten Einheimischen, die rund um den Baiersbronner Wald zu Hause sind, mit markanten Zitaten eine Stimme. Ergänzt werden diese Porträts von Waldansichten – alles in schwarz-weiß. Daher stechen sie in dem grünen Wald um so deutlicher hervor. Eine Erlebnis-Wanderung, die zum Nachdenken anregt – und zum behutsamen Entdecken von kleinen und großen Waldwundern führt.
Ganz besonders ist es, dass es zu dieser Freiluft-Ausstellung auch ein Buch gibt: “Wälderstimmen”.

Mit dem Fahrrad ins Museum

Nur noch wenige Tage ist die Ausstellung “Impressionsmus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde” im Frieder-Burda-Museum zu sehen. Höchste Zeit, diese besondere Ausstellung anzuschauen. Bei diesem tollen Sommerwetter bietet es sich geradezu an, dies mit dem Fahrrad zu unternehmen.
Von Gernsbach aus führt der Weg über die Neter-Hütte und dem Müllenbild weiter zur Drei-Eichen-Hütte. Durch das malerische Märzenbachtal gehts hinunter nach Oberbeuern und durch die einzigartige Lichtenthaler Allee ins Museum.
Der Rückweg ist nicht minder attraktiv: an der Oos entlang vorbei am Lichtenthaler Kloster und über den Schafberg wieder zum Müllenbild. Der Weg nach Gernsbach führt dieses Mal durch das Waldbachtal, vorbei am Walheimer Hof und dem Wildgehege – wo sich gerade der Hirsch in dem kühlen Nass ein Schlammbad gönnt.

Grünhütte mit Schwimmbad-Ausklang

Ein Sommertag, wie er im Bilderbuch nicht besser beschrieben werden kann: Sonnenschein, warme Temperaturen, blauer Himmel – und endlich mal wieder eine Mountainbike-Tour in die nähere Umgebung. Das Besondere an diesem Tag ist aber nicht nur die schöne Streckenführung. Erstmals kam ich in den Genuss, einen Heidelbeer-Pfannkuchen auf der Grünhütte zu genießen. Nach einem steilen Anstieg über den Lautenfelsen und dem Ahornwiesen-Pavillon zur Kreuzle-Hütte zog sich der Weg über die Weißensteinhütte zur Grünhütte. Dort war – wie zu erwarten an einem solch sonnigen Tag – gewaltig was los, doch die Wartezeit lohnte sich.
Nur kurz war jeweils das Bedauern, nicht länger auf der gemütlichen Holz-Schaukel “Dobler Blick” verweilen zu können oder an den vollen Heidelbeer-Sträuchern vorbeizuradeln. Das wurde aufgewogen durch die Abkühlung im frischem Nass des Reichentaler Schwimmbads: mit Blick auf die Schwarzwaldhöhen und die typischen Heuhütten versöhnte dieser erfrischende Ausklang. Nach 44 Kilometern, fast vier Stunden Radeln und 1200 Höhenmetern hatten wir uns das verdient. Die vorbereitete Online-Eintrittskarte war gar nicht notwendig: man hätte auch direkt am Eingang eine Eintrittskarte erwerben können.
Und am Abend gemütlicher Ausklang auf der sonnenbeschienenen Terrasse: ein gelungener Tag!

 

Ruine Königswart

Ein Sommer-Sonnen-Sonntag: endlich nehmen wir nochmals Anlauf, die Ruine Königswart bei Besenfeld zu besuchen. Der erste Versuch ist leider ins Wasser gefallen: kaum hatten wir die Anhöhe des Kaltenbronn erreicht, wurden wir an der Prinzenhütte von einem Gewitter und starkem Regen überrascht. Aber an diesem Juni-Tag waren die Wetterprognosen mehr als gut, also auf gehts.

Diesmal verlief der Anstieg auf den Höhenrücken problemlos. Eine kurze Rast am Toten Mann und vorbei am Arnsperger-Denkmal kamen wir nach Besenfeld. Von dort ist es nicht mehr weit zu der versteckt liegenden Ruine
Ein Geheimtipp. Das jahrhundertealte Gemäuer ist beeindruckend, wenn auch nur noch wenige Grundrisse zu erkennen sind. Erst 1975 wurde diese Ruine freigelegt, zuvor lag das Dickicht des Waldes über der Stätte und verhüllte die
über 800 Jahre alten Grundfesten! Einzigartig sind von dort aus sowie auf der weiteren Strecke murgabwärts die Aussichten!

Die Einkehr in die Panoramahütte hatten wir uns redlich verdient, denn ausladend fuhren wir in Halbhöhenlage sämtliche Waldwege aus. Danach gings hinunter zur Murg und auf der Schifferstraße bequem murgabwärts.
Auf der Rückfahrt streiften wir nur kurz den Sagenweg Gausbach – das Herzmotiv in dem Holzbeig ist einfach immer wieder schön!

Nach Langenbrand wechselten wir wieder auf die linke Murgseite und gelangten auf spannenden Pfaden entlang der Murg nach Weisenbach – und bewunderten bei Breitwies einen prächtigen Tulpenbaum.

Durch die Rheinauen zur Murgmündung

Bei dieser Fahrradtour folgt ein Höhepunkt dem anderen.
Nach unserem Start in Gernsbach führt uns die Route vorbei an Schloss Rotenfels. Der kürzeste Weg zum Schloss Favorit führt vorbei am Zubringer mit Blick auf die neu verlegte Oberleitungen der eWayBW – mal abwarten, wann hier die Tests mit den E-Trucks beginnen. Vorbei an Spargelfelder und Oldtimern, nicht zu vergessen den Flugplatz Oos, wo wir zufällig einen Start eines Segelfliegers beobachten konnten. Dann folgt das Abenteuer, durch einen Tunnel unter der Autobahn durchzufahren und dann die Naturwunder der Rheinauen zu genießen.
Auch hier ist die Natur nicht nur schön und grün und blühend: die Erdarbeiten und das Verlegen von riesigen Rohren zeigt auch hier die Einflussnahme des Menschen. Hier können wir das Verlegen der Wasserleitungen des Verbundsystem der Gemeinden Hügelsheim und Iffezheim aus nächster Nähe verfolgen, bzw. müssen wir mit unseren Rädern unseren Weg in der Baustelle inmitten der Wälder finden.
Danach folgen wieder einzigartige Naturschauspiele, und ein Stück weiter wieder ein markanter Punkt. Am Rhein entlang zu fahren und eine Rast mit Blick auf die Winterdorfer Brücke einzulegen, ist ein besonderes Vergnügen. Die Brücke feierte im vergangenen Jahr ihr 125-jähriges Bestehen, damals angelegt, um Elsass und Baden enger miteinander zu vernetzen. Heute wird die ehemalige Eisenbahnbrücke durch den Straßenverkehr genutzt.
Die nächste Attraktion ist die Murgmündung: und mal eine ganz andere Perspektive von der südlichen Seite! Hier kommt man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad hin, während man auf die nördliche Seite mit dem Auto vorfahren kann.
Auf dem Rückweg komm ich nicht dran vorbei, ein paar Blätter vom Bärlauch mitzunehmen. Doch man muss schon genau suchen, denn er blüht bereits!

Wir haben uns auf den Weg gemacht, nachdem Hoch TRUDI für ein stabiles Wetter sorgte und bevor sich Tief EUGEN bereitmachte, um unser Wetter zu bestimmen. Ein optimaler Zeitpunkt, der uns mit viel Sonnenschein und milden Temperaturen belohnte.

Seit einem Jahr bin ich nun stolzer Besitzer eines E-Bikes: und diese Fahrradtour an die Murgmündung war eine würdige Jubiläumstour!

Mit dem Fahrrad in die Blüten


Kaum zu glauben – kurz nachdem wir die Langlaufski abgeschnallt haben, können wir die Blütenpracht der hiesigen Obstbäume mit dem Fahrrad genießen – und das alles quasi vor der Haustür. Bei einer ersten Fahrradtour von Gernsbach nach Bischweier entdecken wir nicht nur versteckte Täler und weite Sichten auf die heimischen Berge, sondern auch Kunst und Kultur aus verschiedenen Epochen.

Aller-allerletzte Langlauftour der Saison

Das haben wir schon seit Jahren nicht erlebt: nach Ostern eine Langlauftour im Gebiet der Schwarzwaldhochstraße zu machen. Bei besten Schneebedingungen (wir durften unsere Spur selbst legen) hat uns der 1000-Meter-Weg vom Ruhestein zum Schliffkopf beides geboten: ein tolles Langlauferlebnis und eine grandiose Aussicht auf die vorfrühlingshaften Scharzwaldtäler.

Wer weiß, ob nicht die Spuren im Schnee vom Osterhasen waren?

Spätestens, als wir nach der Skischanze Ruhestein auf den Schlittenhang kamen, war klar, dass Osterferien waren. Einzelne Schulkinder genossen mit ihren Großeltern den letzten Schnee der Saison hier oben. Wir konnten uns deren Freude nur anschließen und baten um ein letztes Langlaufski-Bild von uns. Im April! Mal sehen, wie’s nächstes Jahr aussieht?!

Filmreife Burg Tannenfels

Der Anlass, der uns zur Burg Tannenfels führte, war der Zweiteiler im ZDF: “Waldgericht“. Doch was uns tatsächlich oberhalb von Mitteltal erwartete, war auch für uns eine Überraschung. Eine Entdeckung! Nur ein kurzer Spaziergang führt von Mitteltal zur Burgruine Tannenfels. Doch taucht man schnell in die dichte Atmosphäre des Tannenwaldes und der geheimnisvollen Sagen der historischen Ortes ein. Doch bald nach der eindrucksvollen Sandstein-Gebildes erfreut man sich an den Aussichten auf die Schwarzwaldhöhen und im Tal auf die munter fließende Murg.
Immer wieder werden die Bilder des eindrucksvollen Krimis “Waldgericht” lebendig. Ein Glück war bei unserer Ostersonntags-Wanderung dort strahlendster Sonnenschein und kein nebelverhangender, düsterer Tag – ansonsten hätten wir vielleicht schon die Stimmen der Erdgeister hören können. Regisseur Marcus Rosenmüller hat dies in dem Zweiteiler “Waldgericht”eindrucksvoll insziniert. Die intensiven Momente des Films, in denen im Film die Beschwörungs-Formeln der Wald-Frau zelebriert werden, kommen in Erinnerung.
Nach den beklemmenden Eindrücken der Ruine Tannenfels – und das bezieht sich nicht nur auf die schroffen Felswände, in denen Sandsteinquader eingezwängt sind, – erklimmt man erleichtert die Anhöhe und genießt von der Walter-Hütte den Ausblick ins offene Tal. Bequeme Holz-Liegen erleichtern die Entspannung, die sich hoch oben auf der Anhöhe einstellt.
Der Ort ist auf jeden Fall einen Ausflug wert!

Gernsbacher Osterweg 2021

Derzeit, bestimmt durch die Corona-Pandemie, ist es nicht leicht, Ostern zu feiern. Und doch gibt Ostern Hoffnung, hoffen wir auf den Sieg über das Virus, auf neue Gemeinschaft nach der Krise.
So wurden auch neue Formen gesucht, wie man Ostern feiern kann. Warum nicht mal mit einem Spaziergang? In guter ökumenischer Verbundenheit wurde daher in Gernsbach ein Weg von der St. Jakobskirche zu der Liebfrauenkirche gewählt. Als Begleitung kann eine Broschüre dienen, die das Gemeindeteam Gernsbach der Katholischen Seelsorgeeinheit Gernsbach kurz vor Ostern geschaffen hat.
Idee: Irene Schneid-Horn – Realisierung: Gemeindeteam Liebfrauen Gernsbach – Herstellung der Broschüre: Pfarrbüro Katholische Seelsorgeeinheit Gernsbach
Texte: Susanne Floss, Regina Meier, Irene Schneid-Horn, Achim Schwelle

Ein Bericht dazu fand sich im Badischen Tagblatt unter “Kunstwerke, Gedanken und Gebete“.

Der Gernsbacher Osterweg

Farbiges Glas bringt das Licht von Ostern zum Leuchten

Ende vergangenen Jahres wurde das Buch „Leuchtende Hoffnung“ über die Glasfenster in der St. Jakobskirche Gernsbach veröffentlicht. Seit 1966 befinden sich die Glasfenster von Albert Birkle (1900-1986) in der Gernsbacher St. Jakobskirche. Einerseits sind sie abstrakt gehalten, andererseits definieren sie durch die figürliche Darstellung das jeweilige religiöse Motiv.

Zu dem dreiteigen Zyklus gehören das Osterfenster, das zentrale Pfingstfenster und die Darstellung des himmlischen Jerusalems.

Sie wurden eigens für diesen Chorraum geschaffen und sind ein kunstvoller Ausdruck christlichen Glaubens.  Das beherrschende Motiv des Osterfensters ist die in weißem Glas gefasste Gestalt des auferstandenen Jesus. Zentral in der Mitte leuchtet die weiße Figur.  Kränze aus meist gelben Glas umringen den Kopf und laufen strahlenförmig zu den Rändern. Gold leuchtend durchdringen sie den Hintergrund, der in blau-lila-grauen Tönen gehalten ist. Ein rotes Glas in der Brusthöhe der Figur symbolisiert das durchbohrte Herz des Gekreuzigten. Im linken Bildrand zieht ein Engel vor dem offenen Grab den Blick des Betrachters auf sich. Ein Pendant im rechten Bildrand zeigt den Giftstachel eines Skorpion in abstrakter Form als Zeichen für den Tod und die Angst.

Birkle ist in diesem Fenster eine meisterhafte Verbindung zwischen Licht und Farbe gelungen.  Auch wenn durch dieses Fenster, das nach Norden ausgerichtet ist, kein direktes Sonnenlicht fällt, so ist die Strahlkraft ungebrochen. Das Osterfenster leuchtet – von der Kanzel aus betrachtet – in direkter Linie hinter dem die Kirche beherrschenden Kreuz und verkündet umso kräftiger die Botschaft von der Auferstehung Jesu und den Sieg über den Tod. Leid und Schmerz werden überwunden, die Erlösung und Auferstehung erstrahlen im Licht.

Albert Birkle erhielt den Auftrag für die drei Glasfenster von der St. Jakobsgemeinde und Pfarrer Siegfried Diemer, der von 1957 bis 1972 evangelischer Stadtpfarrer war. Ausschlaggebend für die Wahl auf Albert Birkle war die Verbindung zu Henriette Fischer-Zach, die ihn für diese Aufgabe begeistern konnte. Zuerst fertigte er ein kleineres Fenster an, um die Skeptiker in der Gemeinde von der künstlerischen Aussagekraft eines modernen Glasfensters zu überzeugen. Heute befindet sich dieses als Meditationsfenster in der Sakristei von St. Jakob.  Nach langem Ringen hat die Gemeinde mit finanzieller Unterstützung hiesiger Industrie-Unternehmen letztlich 1965 den Auftrag erteilt.

Zu diesem Zeitpunkt ist Birkle bereits ein renommierter Glaskünstler. Albert Birkle kam am 21. April 1900 in Berlin auf die Welt. „Ich bin wohl in Berlin geboren, aber weil meine Eltern Süddeutsche waren, bin ich während der Ferien immer in Süddeutschland gewesen,“ erzählt er in einem Interview. In den zwanziger Jahren bildet ein erheblicher Teil seiner künstlerischen Tätigkeit die Porträtmalerei. In den dreißiger Jahren beschäftigte sich er sich mit sozialkritischen Themen, aber auch Landschaften und Industriemotive gehörten dazu.  

Die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber Birkle blieb lange ambivalent. 1936 wurden noch zwölf seiner Werke auf der Biennale in Venedig gezeigt, doch schon ein Jahr später wurden seine Arbeiten als „entartet“ gebrandmarkt und aus öffentlichen Sammlungen, wie dem Haus der Kunst in München und der Nationalgalerie in Berlin, entfernt.

Sein erstes Glasfenster entstand in Herrenberg 1931-1933. Seine Hinwendung zur Glasmalerei verstärkte sich nach Kriegsende. Im Zuge des Wiederaufbaus erhielt Birkle mehrere Aufträge zur Gestaltung von Kirchenfenstern.

Birkle erzählt von seiner Liebe zur Glasmalerei: „Das Sichversenken in das Leben des Glases lohnt alle handwerklichen Schwierigkeiten, die der Künstler meistern muß. Der Glasmaler schöpft aus dem vollsten Licht und der vollsten Farbe zugleich… Seine Farbe ist die reinste, die denkbar ist, sein Licht das hellste. Wenn das Werk gelungen ist, soll es dazu beitragen, die Gläubigen in die Atmosphäre der Andacht und des Gebets zu führen.“

Im schwäbischen Raum gibt es mehrere Kirchen, die von ihm ausgestaltet wurden. Es wäre eine attraktive Rundreise von Herrenberg und Kuppingen über Balingen nach Geislingen, wenn man sich einige dieser Werke anschauen wollte. Den Höhepunkt seines Schaffens als Glaskünstler erlebte er durch einen Auftrag für die National Cathedral in Washington D.C. 1968-70. Diese Werke gehören sicherlich zu den hervorragenden Schöpfungen Birkles und sorgten für internationale Anerkennung seiner Kunst.

Die neuere Beschäftigung mit den Birkle-Fenstern in Gernsbach hat auch einen Kontakt zu den Nachfahren von Albert Birkle eröffnet, die das Archiv und das Werk des 1986 verstorbenen Künstlers in Salzburg betreuen. So wurde auch der Zugang zu bisher unveröffentlichten Zeichnungen möglich, die als Vorlage für die Gernsbacher Fenster dienten. Sie wurden im Maßstab 1:20 angefertigt und belegen eindrucksvoll die zeichnerische Brillanz Birkles. Sie machen auch deutlich, wie er das Handwerk der Glasmalerei beherrschte, wie vortrefflich er in der Lage war, die Aussagen von einer Zeichnung auf Papier auf den Werkstoff Glas zu übertragen.

In den Fenstern in der Gernsbacher St. Jakobskirche sowie im gesamten künstlerischen Werk Albert Birkles gibt es noch viel zu entdecken. Die Ostertage geben genügend Zeit, sich mit dem Farbenspiel und dem Ausdruck des Osterfensters zu beschäftigen.

Regina Meier

 

Zu den Glasfenstern von Albert Birkle werden Führungen von der Touristinfo Gernsbach angeboten (sofern es die Corona-Verordnungen erlauben): Dr. Irene Schneid-Horn wird am Freitag, 23. April 2021, 17 Uhr, und am Samstag, 3. Juli 2021, 14 Uhr, eine Einführung in die Geschichte und Aussage der Kirchenfenster geben. Treffpunkt: St. Jakobskirche Gernsbach.

Dieser Beitrag erschien im “Gernsbacher Boten” 1/2021 im Casimir Katz Verlag am 23. März 2021

Turmfalken setzen sich durch

Die Falken sind wieder da! Rechtzeitig zu Beginn des Frühjahrs sind die eleganten Flieger wieder in den Turm der Liebfrauenkirche eingezogen. Doch ganz so einfach war es nicht. Der Nistkasten hoch oben in der Spitze des Turmes war sehr begehrt: mehrere Turmfalken kämpften um den Einzug in den frisch gereinigten Nistkasten. Dohlen schauten diesen Nistkämpfen entspannt zu, während sich Rabenkrähen sich oftmals in die Auseinandersetzungen einmischten. Nach spannenden Flugmanövern hat sich ein Falkenpaar durchgesetzt, das nun nachhaltig ihr Zuhause bewacht. Schon allein das Beobachten dieser Nest-Wächter ist spannend. Sie beobachten von dem Ausguck vor ihrem Nistkasten die Umgebung sehr genau, sie können ja ihre Halswirbelsäule um 180 Grad drehen. So entgeht ihnen nichts, was vor ihrem Nest geschieht.
Mal abwarten, ob es auch in diesem Jahr Nachwuchs einstellt. Im Jahr 2020 konnte das Falkenpaar vier Junge großziehen.

Video Falke mit Dohlen

Video Falken kämpfen um den Nistkasten

Video Welcher Falke setzt sich durch?

Neben dem Falken-Nistkasten, der im Turm der Liebfrauenkirche von Süden her angeflogen werden kann, gibt es in östlicher Richtung eine Öffnung für einen Eulen-Kasten und in nördlicher Richtung einen für Dohlen. Vor Beginn der Nestsuche wurde dort ein neuer Nistkasten für Dohlen montiert.
Mit dieser Aktion hat die Liebfrauengemeinde die Beheimatung der seltenen Vögel nachhaltig unterstützt. Bereits vor zehn Jahren wurde sie mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ vom Nabu ausgezeichnet.
Seit 2012 befindet sich dort bereits ein Nistkasten für Dohlen, angeregt von Stefan Eisenbarth und installiert von Hanspeter Schultheiß und Werner Meier. Dieser wurde nun von den Naturschutzwarten des Nabu Jutta Kastner und Ernst Krieg erneuert. Die Montage erfolgte mit Unterstützung von Klaus Detscher. Schon wenige Tage danach inspizierten die ersten Dohlen das neue Nest. Ob sie sich allerdings darin einnisten, wird sich erst im Laufe des Frühjahrs zeigen. Erste Exemplare der putzigen Krähenvögel haben bereits den Kirchturm inspiziert.

Artikel über den Bau des Dohlenkastens findet man hier

Gruppe mit Pfarrer Josef Rösch bei der Überreichung der Plakette Lebensraum Kirchturm vor der Liebfrauenkirche Gernsbach
Überreichung der Plakette “Lebensraum Kirchturm” 2011 vor der Liebfrauenkirche Gernsbach
Bereits 2011 wurde die Gemeinde Liebfrauen in Gernsbach mit der Plakette “Lebensraum Kirchtum” ausgezeichnet. Presseartikel dazu